Das Radiohören gehört für viele Millionen Menschen in Deutschland zum Alltag.
Doch was vor etwas mehr als 100 Jahren begann, könnte bereits in wenigen
Jahrzehnten sein Ende finden. Bereits heute wenden sich immer mehr Menschen
vom Radio ab. Hierzu zählen insbesondere Jugendliche. Sie sind genervt von der
Musikauswahl oder den oftmals unnatürlich fröhlichen Moderatoren. Zwar ist
beides von Sender zu Sender unterschiedlich, aber bei derzeit gerade einmal 11 im
Bereich Husum/Flensburg empfangbaren, deutschsprachigen UKW-Sendern ist es
unwahrscheinlich, dass ein Radiosender genau die Musik spielt, die man hören
möchte.


Darum wählen immer mehr Menschen Streaming-Anbieter wie beispielsweise
Spotify als Quelle ihrer täglichen Audiounterhaltung. Die Vorteile liegen auf der
Hand: Man hört die Musik, die man wirklich hören möchte und nicht das, was der
Radiomoderator aussucht. Außerdem bleibt einem damit das Geschwätz der
Moderatoren erspart. Wen das Geschwätz aber interessiert, der findet bei den
meisten Anbietern auch eine Vielzahl an verschiedenen Podcasts. Allerdings sind
die meisten Streamingdienste in den kostenfreien Versionen mit übermäßiger
Werbung sowie stark eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten versehen. Wer das
nicht will, muss zahlen: So kostet ein Abo für eine einzige normale Person bei
Spotify ca. 13 Euro monatlich.


Eine andere Alternative dazu ist es, sich seine Musik vorzubereiten, indem man sie
auf eine CD brennt oder sie auf sein Smartphone herunterlädt. Dies ist allerdings
sehr aufwendig und daher eher unbeliebt.


Trotz dieser Alternativen hören immer noch viele Menschen Radio. Das, was einige
beim Radio als Nachteile sehen, sehen andere als Vorteile: Das „Geschwätz“ der
Moderatoren kann als angenehm und teilweise sogar als informativ
wahrgenommen werden. Auch ist es hilfreich dabei, auf längeren Autostrecken
wach zu bleiben. Außerdem kann es ganz angenehm sein, wenn man sich nicht um
die Auswahl der passenden Musik kümmern muss. Des Weiteren ist der
Verkehrsfunk der wahrscheinlich größte Vorteil des Radios. Informationen zu
Blitzern und Stau, wenn auch teilweise ungenau, sind insbesondere bei längeren
Touren sehr hilfreich.


Trotzdem ist für viele Radiohörer in Schleswig-Holstein ab spätestens 2031
Schluss: Die Landesregierung hat zusammen mit der Medienanstalt Hamburg/
Schleswig-Holstein die UKW-Abschaltung beschlossen. Das bedeutet, dass man
beginnend ab 2025 immer mehr Sender nur noch über DAB+ empfangen kann. Der
Unterschied zwischen UKW und DAB+ ist die Übertragungsmethode. UKW ist analog
und DAB+ digital. Das führt zu einigen Unterschieden. So ist die Klangqualität bei
DAB+ besser, da das UKW Rauschen fehlt. Außerdem bietet DAB+ einen
automatischen Sendersuchlauf und eine deutlich größere Programmauswahl. Dies
gilt allerdings nur in Regionen, in denen DAB+ gut ausgebaut ist. Dort, wo das nicht
der Fall ist, wird es häufig zu Aussetzern kommen. Insbesondere ländliche Regionen
sind davon betroffen.


Aber wieso genau führt der Umstieg dazu, dass viele dann kein Radio mehr hören
können? Das liegt daran, dass viele ältere Radios kein DAB+ unterstützen. Das
bedeutet, dass man entweder einen extra Empfänger benötigt, welcher dann
entweder über ein Aux-Kabel oder eine eigene Frequenz das Signal ins Radio
überträgt oder ein neues Radio benötigt. Während bei den meisten stationären
Radios wie beispielsweise dem klassischen Küchenradio der Kauf eines solchen
Empfängers nicht lohnt, ist bei vielen älteren Autos der Austausch des Radios nicht
oder nur sehr schwer möglich, da teilweise Bildschirme oder Ähnliches verbaut
sind.


Die UKW-Abschaltung führt also in den nächsten Jahren zu einer großen Menge
Elektroschrott und Kosten für die Hörer. Viele davon werden es sich daher zweimal
überlegen, ob sich die Anschaffung eines neuen Radios oder zusätzlichem
Empfängers wirklich lohnt, oder ob sie lieber zu Streaming-Anbietern abwandern
sollten. Außerdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch DAB+ als veraltet gilt und
Radio nur noch über das Internet übertragen wird.


Schlussendlich lässt sich folgendes sagen: Es ist unklar, ob das Radio aussterben
wird. Sicherlich nicht heute oder morgen, aber vielleicht in wenigen Jahrzehnten.
Die Konkurrenz durch Streaming-Dienste sowie die UKW-Abschaltung machen das
Radio derzeit einfach zu unattraktiv. Aber auch wenn das Radio in Zukunft wohl an
Bedeutung verlieren wird, bleibt es ein Stück Mediengeschichte, das unseren Alltag
über Jahrzehnte geprägt hat. Ob es irgendwann ein echtes Comeback erlebt oder
endgültig von Streamingdiensten verdrängt wird, liegt letztlich an uns Hörern.

Unbekannt

Von adminiz

Richtig geiler Admin

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