Viele Menschen kaufen immer noch Hunde von Gartenzüchtern oder Rassezüchtern. Sie wollen reinrassige Hunde mit einer guten Abstammung, Welpen und keine
Mischlinge, die den Kontakt zu Menschen nicht kennen. Es gibt circa 200 bis 700 Millionen Straßenhunde auf der Welt. Die Dunkelziffer ist noch viel höher. In Ländern wie der
Türkei, Rumänien und Griechenland finden vor der Touristensaison sogenannte Massentötungen statt. Dort werden Straßenhunde abgeschossen, eingeschläfert oder auf
andere Weise von den Tötungskommandos getötet. Es heißt, es sollen nur kranke und aggressive Hunde ins Visier genommen werden, aber welcher Straßenhund ist denn
wirklich gesund oder zutraulich? Viele kennen nur negativen menschlichen Kontakt, waren nie beim Tierarzt und leiden an Krankheiten, Angst und Schmerzen.
Der Grund? Die Tiere sollen möglichst schnell aus den Tierheimen adoptiert werden, daher sollen die eher unbeliebten Tiere direkt „entsorgt“ werden. Ein weiterer Grund:
Viele Touristen werden von den vielen Straßenhunden abgeschreckt. Außerdem liegen bei einer hohen Zahl an Streunern auch viele tote Tiere auf den Straßen, am
Fahrbahnrand oder in Gräben.
Dieses Schema geht mittlerweile schon so weit, dass selbst Hunde in Gärten erschossen werden.
Eine Bekannte aus der Türkei berichtet: „Meine Hunde habe ich vor einigen Jahren aus dem Tierheim adoptiert. Ich hatte einen eingezäunten Garten. Dort liefen sie oft frei
herum. Als die Massentötungen losgingen, haben einige aus dem Tötungskommando meine Hunde für Streuner gehalten und sie in meinem eigenen Garten erschossen. Ich
konnte weder Abschied nehmen, noch über diesen Schock hinwegkommen. Diese Hunde waren meine Familie.“
Die Tierheime sind überall überfüllt. Für jeden ist etwas dabei.
Also, was hält viele Menschen davon ab, einen Tierheimhund zu adoptieren?
- Viele denken, es sei sehr schwer, mit so einem Hund klarzukommen.
- Viele schrecken vor den eventuellen Tierarztkosten zurück.
- Viele wollen keinen Mischling sondern einen reinrassigen Hund und vor allem einen Welpen
- Viele Hunde aus den Tierheimen sind noch nicht stubenrein.
- Traumatisierte oder verletzte Hunde, manchmal mit fehlenden Gliedmaßen, wirken auf viele abschreckend.
Die Antwort darauf:
Wir selbst haben vor einigen Monaten einen Hund aus Rumänien adoptiert – einen Straßenhund, der seit ein paar Monaten in der Auffangstation saß. Wenn Hunde zu lange
in den Tierheimen sitzen, werden sie eingeschläfert, daher versuchen diverse Organisationen, sie in alle möglichen Länder zu vermitteln. So war es auch bei uns. Wir haben
schon länger gesucht, aber einen wirklich passenden Hund konnten wir nie finden. Irgendwann sind wir dann auf Sumo (damals Robin) gestoßen. Viele Informationen
bekamen wir nicht, aber wir waren entschlossen, ihn bei uns aufzunehmen, egal wie schwer es werden würde.
Die Wahrheit?
Wir waren geschockt. Über einen Transport, welcher von der Organisation veranlasst wurde und ungefähr 20 Hunde transportierte, kam er zu uns, und wir konnten ihn 30
Minuten von uns entfernt abholen. Er saß ohne Regung, komplett ängstlich und überfordert bei uns im Auto. Bei uns zu Hause angekommen, ging er keinen Schritt, trotz der
langen Fahrt. Am ersten Abend habe ich ihn mit in mein Bett genommen und ihn erstmal ganz lange gestreichelt. Am nächsten Tag war der Schock dann auch vorbei. Vor uns
stand ein aufgeweckter, neugieriger und unglaublich lieber Hund.
Die ersten Wochen bekam er Schonkost, da er das gute Futter aus Deutschland so nicht vertragen konnte und langsam daran gewöhnt werden musste. Diese Schonkost
bestand aus gekochtem Hähnchenfleisch, Reis und Karotten, dazu etwas Brühe für den Geschmack, und langsam haben wir dann Hundefutter dazugegeben.
Nun, was ist an den Vorurteilen dran?
Man sollte Erfahrung mit Hunden haben, denn ein Straßenhund ist immer für Überraschungen bereit, da man nie weiß, was sie erlebt haben. Natürlich können sie Traumata
oder schwere Verletzungen haben, aber es gibt so viele verschiedene Hunde, die von diesen Organisationen angeboten werden, dass für wirklich jeden etwas dabei ist. Wir
waren bereit, auch einen „schwierigen“ Hund zu nehmen, wurden mit Sumo aber positiv überrascht – genauso wie viele andere Adoptanten. Alle sind unglaublich zufrieden
und haben tolle Hunde.
Was fällt auf?
Ein hübscher, freundlicher Hund. Man stellt sich oft einen verwahrlosten, struppigen, mageren Hund vor, wenn man an Tierschutzhunde denkt. Das ist aber eher selten der
Fall.
Meine ehrliche Meinung:
Es gibt überall auf der Welt Hunde, die nur auf ihre Familie warten. Rassehunde, Mischlinge, Welpen, ältere Hunde, kleine Hunde, große Hunde, mit langem oder kurzem Fell,
sportlich oder ruhig, stubenrein oder nicht. Für jeden ist etwas dabei.
Der Weg ist absolut nicht schwer. Es hat uns einen Anruf gekostet. Danach wurde von der Organisation ein Tierschützer geschickt, der nachschaut, ob das Zuhause für einen
Hund geeignet ist. Dann kommt auch schon der Transport des Hundes, den man dann nur an einer nahegelegenen Stelle abholen muss. Der Rest findet sich ganz von selbst.
Der erste Tierarztbesuch sollte möglichst schnell erfolgen: Impfung (falls nicht vorhanden) sowie eine Wurmkur. Genauso muss man aber auch bei einem Hund vom Züchter
vorgehen. Stubenreinheit war bei uns kein Problem. Am Anfang sind wir alle paar Stunden an der Leine rausgegangen, damit Sumo lernt, dass dort der Ort für sein Geschäft
ist, und nach ein paar Tagen war es ihm klar.
Jetzt, nach zwei Monaten, ist er absolut stubenrein, kann auch alleine bleiben, macht nichts kaputt und geht toll an der Leine. Aber das erklärt euch die Organisation auch
alles selbst.
Also, lasst euch nicht von den Bildern online oder von Gruselgeschichten abschrecken. Natürlich gibt es immer Überraschungen, unerwartete Probleme und
Herausforderungen, aber die Organisation bringt euch ohne Probleme durch alles – ihr müsst nur den Mut haben, einen Anruf zu tätigen.
Und bedenkt immer: Ihr rettet ein Leben. Ihr gebt ein Zuhause. Vor allem aber erhaltet ihr einen Hund fürs Leben. Einen besten Freund.
Schaut einfach online nach – vielleicht findet auch ihr euren perfekten Hund dort
Leonie C.