Manchmal frage ich mich echt, wie wir ohne TikTok überhaupt überleben konnten. Früher
mussten Leute Bücher lesen oder sogar reden, um an Informationen zu kommen. Heute reicht ein
15-Sekunden-Clip und man ist offiziell Profi für alles: Mathe, Kochen, Make up und natürlich „Wie
baue ich aus drei Büroklammern ein iPhone Ladegerät“.
In der Schule merkt man’s auch: Warum ein Gedicht interpretieren, wenn man es einfach im Lip
Sync performen kann? Und Matheformeln? Tanz sie doch! Wenn man’s nicht versteht, dann
wenigstens rhythmisch. Ich bin mir sicher: In ein paar Jahren gibt’s Klausuren nur noch im
Hochformat, inklusive Hashtag. Wer die meisten Views bekommt, hat automatisch bestanden.
Auch unsere Kommunikation hat sich angepasst. „Wir haben uns gestern total gut unterhalten“
bedeutet in Wahrheit: Zwei Menschen saßen nebeneinander, schauten schweigend auf ihre For
You Page und lachten synchron über denselben Trend. Kommunikation 2.0!
Aber keine Sorge, wir sind natürlich bestens auf die Zukunft vorbereitet. Politik? Bald nur noch in
7-Sekunden-Clips. Nachrichten? Als Dance Challenge. Die Apokalypse? Ganz sicher unter
#EndOfTheWorld, gefilmt im Hochformat mit einem dramatischen Soundtrend drunter
Und falls jemand behauptet, TikTok würde unser Gehirn zerstören. Völliger Quatsch! Unsere
Aufmerksamkeitsspanne ist völlig in Ord… oh, warte, da ist ein neues Video mit einer Katze, die
Fahrrad fährt
Emi N.